Sinnvoll wiederholen: Wie du eine Karate-Technik zu Hause richtig übst

Sinnvoll wiederholen: Wie du eine Karate-Technik zu Hause richtig übst

Im letzten Artikel hast du gelesen, dass unser Kopf eine neue Bewegung oft schon versteht, während der Körper noch Zeit braucht, um die nötigen Verbindungen aufzubauen.

Doch wie genau trainiert man zu Hause so, dass das Gehirn diese neuen Bewegungsabläufe möglichst effektiv lernen kann? Wer beim Online-Training einfach nur ein Video anschaut und die Techniken danach hundertmal unkonzentriert wiederholt, verspürt schnell Frust. Beim motorischen Lernen kommt es deshalb nicht nur darauf an, wie oft du eine Bewegung wiederholst, sondern auch darauf, wie du übst.

Wichtig ist: Dein Gehirn bleibt ein Leben lang lernfähig und kann sich durch neue Erfahrungen und Übung anpassen. Gerade das Erlernen komplexer Bewegungsabläufe fordert dabei nicht nur deinen Körper, sondern auch deine Aufmerksamkeit und Koordination. Wie du deine Wiederholungen ab jetzt sinnvoll gestaltest, um Karate-Techniken zu Hause schneller zu verankern, zeigen dir die folgenden Tipps:

Techniken in kleine Mikroschritte zerlegen

Wenn du einen komplexen Ablauf wie den Gyaku-Zuki (Gegenstoß) übst, versuche zu Beginn am besten nicht, alles auf einmal richtig zu machen. Nimm dir stattdessen einen winzigen Teilbereich des Bewegungsablaufes vor. Wandere beispielsweise für zehn Wiederholungen immer nur vor und zurück in der Vorwärtsstellung und achte ausschließlich darauf, was dein hinterer Fuß macht. Dreht er sich sauber ein? Drückt er sich kräftig vom Boden ab?

Wenn dieser Baustein sitzt, nimmst du dir im nächsten Durchgang die Hüfte vor. Wann ist sie abgedreht? Wann nach vorne gedreht? Indem du die Technik in kleine Schleifen zerlegst und diese isoliert hin und her übst, verhinderst du, dass dein Kopf überfordert wird, und gibst deinem Gehirn die Chance, präzise zu lernen.

Den Spiegel als visuelle Kontrollinstanz nutzen

Beim Training im Verein korrigiert dich der Trainer – zu Hause musst du diese Rolle selbst übernehmen. Ein großer Spiegel oder die Reflexion in einer Balkontür sind dafür ein sehr gutes Hilfsmittel.

Wenn du dich beim Üben im Spiegel beobachtest, siehst du sofort den Unterschied zwischen der perfekten Erklärung von Klaus oder Markus im Video und deiner eigenen Ausführung. Dieser direkte visuelle Abgleich kann dir dabei helfen, Unterschiede zwischen deiner eigenen Ausführung und dem Bewegungsbild aus dem Trainingsvideo zu erkennen und deine Bewegung entsprechend anzupassen. So verhinderst du außerdem, dass sich kleine Fehler wie zum Beispiel hochgezogene Schultern einschleichen.

Lieber regelmäßig üben als alles auf einmal

Beim Lernen einer neuen Bewegung ist es meistens nicht besonders hilfreich, sich einmal pro Woche zwei Stunden lang mit derselben Technik zu beschäftigen. Irgendwann lässt die Konzentration nach und die Wiederholungen werden eher mechanisch, als dass du dich noch bewusst mit der Bewegung auseinandersetzt.

Drei konzentrierte Einheiten von etwa 20 Minuten können sinnvoller sein, als eine einzelne lange Trainingseinheit, in der du dich irgendwann nur noch durch dieselbe Bewegung quälst. Zwischen den Einheiten liegen Pausen, in denen du Abstand gewinnst und bei der nächsten Einheit wieder mit frischer Aufmerksamkeit an die Technik herangehen kannst.

Das bedeutet natürlich nicht, dass eine längere Trainingseinheit grundsätzlich schlecht ist. Entscheidend ist vielmehr, dass die Qualität deiner Wiederholungen nicht darunter leidet, wenn du immer weiter machst.

Erst langsam und kontrolliert, dann schnell werden

Ein häufiger Fehler im Heimtraining ist es, zu früh mit zu viel Tempo zu üben. Bei hoher Geschwindigkeit bleibt dir deutlich weniger Zeit, während der Bewegung bewusst auf einzelne Bestandteile zu achten und sie zu korrigieren.

Trainiere eine neue Technik stattdessen zu Beginn extrem langsam, aber mit einer bewussten, leichten Grundspannung. Auf diese Weise gibst du deinen Muskeln und Gelenken die Chance, sich überhaupt erst an den exakten Ausführungsweg und die korrekte Bewegungsbahn zu gewöhnen. Durch das langsame Üben kannst du dir zunächst ein genaueres Gefühl für den Bewegungsablauf und deine Körperposition entwickeln.

Erst wenn die Muskelketten optimal zusammenspielen und die Bewegung sauber sitzt, erhöhst du Schritt für Schritt das Tempo. Die Schnelligkeit kommt dann ganz von allein. Wenn du merkst, dass die Technik bei mehr Tempo unsauber wird, schaltest du sofort wieder einen Gang zurück.

Dem Gehirn Pausen und Schlaf zum Festigen gönnen

Auch die Zeit zwischen deinen Trainingseinheiten ist Teil des Lernprozesses. Dein Gehirn verarbeitet neue Bewegungsabläufe nicht nur während des Trainings, sondern auch in den anschließenden Ruhephasen. Schlaf spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle, weil während des Schlafs verschiedene Lern- und Gedächtnisprozesse weiterlaufen.

Gib deinem Körper und deinem Gehirn zwischendurch Zeit, das Gelernte zu verarbeiten. Vielleicht stellst du sogar fest, dass eine Bewegung, die sich beim letzten Training noch schwierig angefühlt hat, nach einem Tag Pause plötzlich etwas flüssiger funktioniert.

Das kannst du mitnehmen

Richtiges Karate-Training zu Hause lebt nicht von gedankenlosen, massenhaften Wiederholungen, sondern von der Aufmerksamkeit im Detail. Wenn du deine Übungszeit in kleine Abschnitte unterteilst, dich im Spiegel kontrollierst, mit geschlossenen Augen in dich hineinspürst, erst in Zeitlupe übst und deinem Gehirn genug Pausen zur Festigung gönnst, nutzt du deine Trainingszeit optimal.

Das Erlernen dieser komplexen Bewegungen hält deinen Kopf nachweislich fit und jung – es ist das perfekte Gehirnjogging, von dem du auch im Alltag profitierst.

Literaturgrundlagen

Baur, J., Bös, K., Conzelmann, A. & Singer, R. (Hrsg.). (2009). Handbuch Motorische Entwicklung. Hofmann.
Schüler, J., Wegner, M. & Plessner, H. (Hrsg.). (2020). Sportpsychologie. Springer.
Wulf, G. (2009). Aufmerksamkeit und motorisches Lernen. Urban & Fischer / Elsevier.

Folge uns auf Instagram